Geschichtliches



Wer hat nicht schon einmal in seiner Kindheit auf einem Metallophon oder Xylophon - mit mehr oder weniger großem Erfolg - seine musikalischen Fähigkeiten ausprobiert? Der Reiz eines solchen Instruments liegt vor allem für Kinder in seinem einfachen Aufbau, der keine besonderen Fertigkeiten voraussetzt und damit rasche Erfolgserlebnisse ermöglicht.

Beide Instrumente, die zur Gruppe der Stabspiele gehören, werden begrifflich oft verwechselt. Während die Klangstäbe beim Xylophon aus Hartholz (griechisch: xylos Holz; phōnē Stimme) gefertigt sind, besteht das Metallophon aus einer Reihe von Metallstäben. Das Metallophon wird auch als Glockenspiel bezeichnet, obwohl dieser Begriff auch für verschiedene andere Instrumente wie die Lyra (Melodieinstrument der Marschkapellen), für mechanische Spieluhren in oder an historischen Gebäuden oder für das Carillon (Glockenspiel auf Türmen) steht.

Vorstufen des Xylophons sind aus Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika bekannt. Die Verwendung xylophon-ähnlicher Instrumente in Deutschland ist seit dem 15. Jahrhundert belegt.

Auch die Verwendung von bestifteten Walzen in mechanischen Instrumenten reicht lange zurück. Der Bau von Drehorgeln ist schon aus dem 16. Jahrhundert bekannt. Der Ursprung könnte noch weiter zurück liegen. Im 18. Jahrhundert wurden regelmäßig so genannte Vogelorgeln (Serinetten) mit kleinen Pfeifen aus Zinn gebaut. In seinem berühmten Werk L'Art du facteur d'orgues (Die Kunst des Orgelbauers, 1766) beschreibt der französische Benediktiner, Orgelbauer, Gutachter, Schriftsteller und Mitglied der Akademie von Bordeaux, Dom Bedos u. a. den Bau einer solchen Serinette in allen Details.

Aufbau und Funktion



Die Walzen solcher Instrumente waren fest bestiftet, musikalische Gestaltungsmöglichkeiten für den Besitzer gab es nicht außer die Walze gegen eine andere auszutauschen. Die kreativen Möglichkeiten sind bei diesem Mechanisches Metallophon ungleich größer. In die über 500 Bohrungen auf der Holzwalze können kleine Holzstifte beliebig eingesteckt werden. Diese Stifte heben beim Drehen der Walze kleine Hebel mit Holzklöppeln an, die beim Zurückfallen die Stäbe des Metallophons anschlagen. Auf diese Weise lassen sich kleine Melodien, auch mehrstimmig, arrangieren. So kann jeder seine Musikalität üben und weiterentwickeln. Ein Spaß gleichsam für Kinder und Erwachsene. Der Walzenumfang ist so bemessen, dass kleine Musikstücke bis zu der Länge einer Strophe des Liedes "Der Mond ist aufgegangen" arrangiert werden können.

Die Walze wird mittels Kurbel über ein kleines Getriebe, das in die Wandung des Rahmens eingelassen ist, angetrieben. Die große Übersetzung von 1:20 (20 Kurbelumdrehungen = 1 Walzenumdrehung) ermöglicht eine gleichmäßig Bewegung der Walze. In "Spielstellung" lässt sich die Walze nur vorwärts drehen. Rückwärts lassen die Hebel vor der Walze, die sich nur in Spielrichtung drehen können, die Walzenstifte nicht passieren. Mit einem kleinen Hebel können jedoch alle Klöppel gleichzeitig hoch gestellt werden, so dass die Walze auch rückwärts gedreht werden kann. Dies ist vor allem dann zweckmäßig, wenn man eine Melodie fehlerhaft arrangiert hat und die Walze zu dem/den falsch gesteckten Stift/en zurück drehen möchte.

Man kann die Walze auch aus dem Rahmen heraus nehmen, die Holzklöppel hochklappen und mit den dazugehörigen Holzhämmerchen auf dem Metallophon spielen.

Fertigung



Walze und Rahmen sind aus Buchenholz. Die Walze ist hohl. Aus Vollholz wäre sie zu schwer und vor allem rissgefährdet. Für die Herstellung der Walze werden 12-seitig geschnittene Seitenteile mit passend winklig gesägten Leisten umleimt. Anschließend wird die Walze exakt überdreht, geschliffen, gewachst und poliert. Das anschließende Bohren der 528 Löcher erfolgt auf einer speziellen Vorrichtung mit einer Teilscheibe, die gewährleistet, dass die Lochabstände, vor allem in Laufrichtung der Walze, exakt gleich groß sind.

Angeregt durch die Verwendung von Röhrenglocken in so genannten Idiophonen, die in Orchestern als Musikinstrumente eingesetzt werden und aus einer Reihe chromatisch gestimmter Messing- oder Stahlröhren von 75 bis 155 cm Länge und 3 bis 4 cm Durchmesser bestehen, entstand die Idee, das Metallophon durch Messingröhren zu ersetzen.

Die Röhrenglocken dieses Mechanischen Ideophons sind aus Messingrohr (Ø 15 mm, Wandstärke 1 mm) gefertigt. Nach Grobzuschnitt werden die Röhren in kleinen, gegen Ende 0,1mm-Schritten abgedreht, dazwischen immer wieder mit einem elektronischen Stimmgerät getestet, bis der Ton sauber klingt. Ein sehr aufwendiges Verfahren. Der Tonumfang der Röhrenglocken entspricht dem einer diatonisch gestimmten Dezime (10 Tonschritte).

Durch ihre steile Stellung schlagen die Holzklöppel nicht - wie beim Metallophon - durch ihr Gewicht an die Röhren. Deshalb befindet sich unter jedem Klöppel eine kleine Feder, die die Kraft für den Anschlag erzeugt.

Die Röhren hängen in einem Rahmen, in dem sie - insbesondere für den Transport - durch eine Schaumgummi-gepolsterte drehbare Leiste verriegelt werden können. Zum Spielen werden die Röhren entriegelt.

Durch ihre freie Aufhängung können die Röhrenglocken ungehinderter nachschwingen als die Klangstäbe des Metallophons. Ihr Klang ist daher deutlich tragender.

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